Red Bull Romaniacs
Von Steven Prediger
Am Donnerstag, dem 25.06.2010 machten wir uns auf nach Stuttgart, um von dort aus zur wohl bekanntesten Hard-Enduro-Rallye der Welt, den ROMANIACS, zu fliegen.Taschen gepackt, alle verfügbaren Kameras eingeladen und schnell vorher noch Matze von Onvitech zwecks einer Testkamera besucht, ging es dann los nach Sibiu.
Beim Landeanflug ahnten wir bereits, was wettertechnisch auf uns zukommen sollte- es war bedeckt und neblig. Am Flughafen wartete dann wie bestellt unser ortskundiger Guide in Form von meinem Vater, um uns durch die Verkehrshölle Rumänien zu führen, in der wir ohne ihn wohl bereits nach zehn Metern einen Totalschaden verursacht hätten. Hierzulande muss man wohl recht schmerzfrei die Verkehrsregeln Deutschlands nach eigener Vorstellung wild variieren.
Direkt nach dem Check-In im Hotel hielt uns nichts mehr in unseren Zimmern und so rückten wir quasi nach dem Aufsetzen des Kofferbodens im Zimmer wieder aus; wir hatten nämlich kurz zuvor im Vorbeifahren bereits den Prolog erspäht, der schon aufgebaut wurde.
Erster Eindruck: Die sind alle wahnsinnig... Kucki und ich standen zum ersten Mal live vor dem sonst nur im Fernsehen oder bei Youtube bestaunten Hindernisparcours und zweifelten an unseren Überlegungen, hier irgendwann einmal selbst teilzumnehmen.
So standen wir dann fast eine Stunde, bis unser Magenknurren unsere Eindrücke eindeutig überstimmte, gingen geschlossen rumänisch-traditionell essen und dann früh ins Bett.
7 Uhr, Weckerklingeln, Hochschrecken. Schnelle Morgentoilette, Frühstück und wieder auf zum Prolog, an dem sich mittlerweile gefühlte 10.000 Menschen versammelt hatten, die die Wahnsinnigen über die Hindernisse fliegen sehen wollten.
Das Wetter hatte sich über Nacht verschlechtert und so wurde aus den angekündigten Regenschauern ein satter Dauerregen, über den Tokio Hotel einst einen Hit schrieb. Um 13 Uhr war es dann soweit und die ersten Fahrer der Hobbyklasse versuchten, motiviert bis in die Haarspitzen, die Hindernisse zu erklimmen.
Die erste Gruppe scheiterte bereits nach einigen Metern in der Reifenstrecke, in der man kurzerhand ein Feld von ca. 30x5 Metern Autoreifen nebeneinander gelegt hatte. Versinkende Vorderräder, sich nach vorne überschlagende Bikes inklusive Fahrer machten das zweite Hindernis, einen aufgeschütteten Tannenhaufen, der genauso unspektakulär schien wie die Reifenstrecke, umso interessanter. Hier gab es dann doch recht wenige Abstiege zu betrachten und es ging an das offensichtliche Highlight, die Felsenstrecke. Felsbrocken von teilweise einem guten Meter Kantenlänge waren hier so gemein hintereinander gelegt, dass es schier unmöglich war, ohne Abflug darüber hinweg zu kommen.
So sollte es dann auch genau dieses Hinderns sein, in dem wir dann die ersten an Suppenwürfel erinnernden Gerüche inklusive der dazugehörigen Qualmwolken vernahmen, die Jungs gaben alles. Wer das Pech hatte, sich hier bereits den Kupplungsdecken auf einem Felsbrocken zu zerstören, konnte schon fast wieder nach Hause fahren, da der Prolog als Qualifikation für das eigentliche Rennen gilt. Hier MUSS jeder Teilnehmer einfach durch, wenn er überhaupt die Berghänge Rumäniens rauf- und runterrutschen will.
Wer dieses Glück hatte und tatsächlich inklusive seines Bikes relativ unbeschadet die Felsen hinter sich lassen konnte, stand nun vor der 95%igen Garantie abzufliegen- den Baumstämmen. Diese waren zu fast 3 Metern Höhe gestapelt, klatschnass und somit ohne jeglichen Grip. Wer sich hier mit oder ohne Hilfe der Organisatoren hinüberschaffen konnte, musste lediglich einen querstehenden Tieflader überspringen, um endlich den Red-Bull- Torbogen durchfahren zu können.
Dann staunten wir Bauklötze. Taddy Blazusiak, Andreas Lettenbichler (Foto rechts, mitte) und Co. stürmten den Track. Blazusiak hatte sich offensichtlich dazu entschieden, sich nicht sonderlich in Gefahr zu bringen und einfach alles zu überfliegen. Den Fels-parcours, der manche Hobbyfahrer fast 10 Minuten kostete, meisterte er in knapp 10 Sekunden, indem er den ersten Fels als Rampe nahm und einen gewaltigen 5 Meter-Jump hinlegte.
Somit war auch gegen ungefähr 18 Uhr der Prolog erledigt und es ging weiter in die tiefen Wälder Rumäniens, um dort erneut Schweiß, Blut, Tränen und Motoröl zu vergießen....

...und so standen wir dann morgens um 7 in unserem schönen kleinen Hotel in Sibiu und freuten uns auf Tag 1 der Romaniccs2010. Die Wetterfee hatte wohl Urlaubund bescherte uns somit keine wirkliche Wetteränderung, ausser dass sich der Monsun ein wenig beruhigt hatte.Zunächst galt es allerdings 6 Personen mit einem Auto ca 30 km weit zu einer der ersten Schlüsselstellen der Rallye zu befördern. Nunja, in Rumänienstellt dies kein Problem dar, Verkehrspolizisten gibt es dort überall, jedoch kümmern diese sich bevorzugt um die Angelegenheiten der Damen im kleinen Schwarzen, die man dort vielerorts antreffen kann.Somit geriet die Vernunftfrage in den Untergrund- 3 Gurte im hinteren Sitzbereich des Autos reichen schliesslich auch für 4, oder noch besser - ganz weglassen ;) Ich platzierte mich vorausschauenderweise auf dem Beifahrersitz und liess meinen Vater als Ortskundigen das Steuer bedienen. Was auf den hinteren Plätzen des Fahrzeuges geschah liess mich somit relativ kalt ich sah nur Arme und Beine die sich in den unmöglichsten Winkeln umeinanderknoteten. Los gings – Maschine Volldampf voraus- ab durch die Idylle der kleinen rumänischen Dörfchen, in denen an jeder Ecke Kühe und Käseverkäufer im Einklang miteinander auf der Strasse stehen. So manches halsbrecherische Ausweichmanöver ging auf deren Konto und Abweichen von der Ideallinie kombiniert mit den Strassenverhältnissen in Rumänien machte es der überbesetzten Rückbank wohl nicht gerade angenehm.Wenig später sah ich dann in der Ferne ein riesiges Red Bull Zelt das sich wie ein Krake in der Berglandschaft der Karpaten festgebissen hatte- Ziel in Sicht! Es hatte mittlerweile wieder verstärkt angefangen zu regnen und so suchten wir schnell Unterschlupf beim Kraken. Kucki und ich hatten uns vorsorglich mit einigen Dosen Ursus-dem rumänischen Hausbier sozusagen eingedeckt und warteten gespannt auf die ersten Fahrer, die die rutschigen Felswände erklimmen sollten. Nachdem vierten Bier und mittlerweile 3 gewarteten Stunden liessen die Fahrer allerdings immernoch auf sich warten.Immer wieder kam dann die Ansage der Guides und Organisatoren, dass die ersten Fahrer in einer halben Stunde ankommen müssten.
15 Uhr – der erste Wahnsinnige, Chris Birch, schickte sich an, den Steilhang zu erklimmen und schaffte dies als sei es die Chickenlane der Einsteiger. Dann mussten wir wieder warten bis eine BMW in der Ferne auftauchte, auf der ein ehemals in weiss gekleideter Letti angegast kam. Allein dieser Anblick liess erahnen, wieso die Jungs so spät dran waren und was sie im Wald kurz nach dem Start erwartet hatte.Mittlerweile war unser Biervorrat aufgebraucht und so entschlossen wir uns in ein ca 100m entferntes Restaurant zu begeben, von dem aus man prima Aussicht auf die Hänge hatte. Als wir gerade zu Essen begonnen hatten, näherte sich eine zweite Touratech-BMW mit Gerhard Forster im Sattel, der scheinbar bewusst zielstrebig an derAuffahrt vorbei fuhr und versuchte, an einem schier unmöglich zu erklimmenden Seitenhang hochzufahren. Nach ca 30m blieb er dann inmitten eines Baches stehen, Neigungswinkel 50 Grad und kein Vortrieb mehr...Jens und ich sahen uns kurzentschlossen an und waren uns einig: Wir schleppen den Gerhard jetzt da rauf! Im Sprinttempo über die Strasse, den Berg rauf und mit gefühlten 300 Puls inklusive Schnappatmung standen wir dann hinter dem verzweifelten Gerhard Forster, der so nicht mehr weiterkam. Da wir dann mittlerweile wieder nüchtern waren und registrierten, dass uns unsere beiden Mädels gefolgt waren, zogen wir nun mit vereinten Kräften den Gerhard immer höher in die rumänischen Berge. Nach einer knappen halben Stunde hatten wir die Queranbindung der eigentlichen Piste erreicht und Gerhard konnte sich nach einem ernst gemeinten Dankeschön an uns wieder von alleine fortbewegen. Hammerhart was die Jungs dort leisten, vor allem hatten sich die eigentlich an dieser Stelle positionierten Helfer der Rallye wegen des schlechten Wetters schon lange aus dem Staub gemacht und somit die Fahrer völlig sich selbst überlassen. Nach dieser kräfteraubenden Aktion und dem dann folgenden Abstieg am Hang fuhren wir erst einmal zurück ins Hotel, um uns etwas frisch zu machen. Das war somit der erste Tag der Romaniacs und wir hatten ganze 3 Motorrädergesehen...also ausser dem Prolog ist diese Rallye für Zuschauer eher nicht empfehlenswert. So traten wir dann am folgenden Tag die Heimreise an, um vom Rechner aus per GPS und Google Maps die Routen der Jungs in den Karpaten zu verfolgen.
Weitere Infos zur Red Bull Romaniacs findet Ihr unter: http://www.redbullromaniacs.com
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