Jaja, da ist er wieder, der Winter mit den kurzen Tagen, den Minustemperaturen und dem Streusalz, das nicht nur an den Nerven frisst, sonder auch noch an der Verkleidung. Was macht der frustrierte Mopedfahrer also? Richtig, er fläzt sich auf die Couch und guckt sich die trölfte Wiederholung einer Folge Schwammrobert an, während das Weibchen in der Küche steht und Plätzchen backt. Und was macht der motivierte Mopedfahrer? Richtig, er schnappt sich seine Ische und hängt sich vor die Playsi. MX vs ATV REFLEX lautet der wohlklingende Name der Rettung aller Schönwetterfahrer. Und schön ist das Wetter im Game allemal! Idyllische Landschaften, die in der Stille nur darauf warten von kreischenden Motoren und Reifen zerfetzt zu werden.
Der Detailreichtum und die Liebe zur Natur sind den Machern von THQ quasi anzumerken - oder eben nicht, denn wenn es heißt, das Gelände unsicher zu machen fliegt der Dreck nur so und das war's mit unberührter Landschaft.
Dabei stehen dem Spieler von MX Mopeds über Quads bis hin zu Buggies alle möglichen geländegängigen Fahrzeuge zur Verfügung, vom Hovercraft aus einer Anfangssequenz mal abgesehen. Credits für Tuning, Modifikation oder gar das Erstehen ganz neuer fahrbarer Untersätze sind überraschend schnell verdient und so muss man nicht 26 Missionen mit einem Dreirad mit Rasenmähermotor durchspielen, bis man sich endlich ein richtiges Bike zulegen kann. Die Strecken bei MX vs ATV REFLEX sind abwechslungsreich und offenbaren die wahre Stärke des Games: Die Strecke verändert sich beim Befahren, das heißt, ihr hinterlasst gerade auf lockerem Untergrund Fahrspuren, mit denen eure Verfolger zu kämpfen haben, denn mit gemütlichem um die Kurven tuckern ist dann nicht mehr viel los. Die Steuerung reagiert sehr direkt und sensibel, was besonders anfangs etwas Gewöhnung bedarf, aber wenn man die vielgerühmte Reflex-Steuerung erst mal gemeistert hat, ist sie eher eine Intuitions-Steuerung, bei der jeder, der schonmal einen Sitz bunter dem Hintern hatte, relativ schnell den Bogen raus hat. So ist es schon nach ein paar Runden möglich, schöne Drifts hinzulegen, vom ersten Donut auf der Ladestrecke nicht zu reden. Das ist allerdings ein Manko. Die Ladezeiten erinnern teilweise an PS1-Zeiten und auch oben genannte Ladestrecke, auf der ihr ein paar Sprünge üben könnt, kann das auf Dauer nicht gutmachen. Besonders ärgerlich wird es, wenn man ein Rennen wiederholen will, mit selbem Moped selber Strecke, und sich nach endlos erscheinenden 30 Sekunden ernsthaft fragt, was der gute Herr Sony denn da alles neu zu laden hat. Das haben wir schon besser gesehen. Zweiter Minuspunkt ist der Sound, nicht einmal der der Fahrzeuge, sondern die Hintergrundmusik, die anfangs noch erfrischend metalig daherkommt, aber einem nach spätestens drei Spielstunden langsam aber sicher etwas auf die Nerven geht.
Optisch kommt MX vs ATV REFLEX dagegen sehr schmuck daher. Vom Licht- und Schattenspiel bis zur Maserung der Baumstämme (die wir uns das eine oder andere Mal genauer ansehen durften - natürlich absichtlich! ;-) ) gibt es nichts zu mäkeln. Auch die Motivation stimmt. Trophäensammler dürfen sich über die ein oder andere Herausforderung freuen und sich die schönsten Sprünge und Drifts nach einem Rennen in der Highlightsequenz anzusehen, erfüllt einen mit Stolz. Alles in allem sorgt MX vs ATV REFLEX für Kurzweil und Ablenkung von den widrigen Umständen auf heimischen Crossstrecken. Haut also rein und falls ihr den 23m langen Stoppie schafft, lasst es uns wissen.
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