74. BOL D’OR in Magny-Cours PDF Drucken

74. Bol d'Or in Magny-Cours

Die 74. Bol d´Or war meine erste! Die Vorfreude wurde durch die tödlichen Unfälle des 13-jährigen Amerikaners Peter Lenz und dem von Shoya Tomizawa, 19 Jahre, überschattet. An dieser Stelle vom ganzen Redaktionsteam unsere aufrichtige Anteilnahme!

74. Bol d'Or in Magny-CoursWir machten uns also am Morgen des 9. Septembers auf die Reise Richtung Magny-Cours, Frankreich. Unsere Wohnmobile bepackt bis unters Dach, machte sich das Redaktionsteam auf den Weg - es galt, einen geeigneten Platz zu sichern für 4 Tage Programm wie es gegensätzlicher nicht sein kann: absolute Konzentration auf höchstem technischen Niveau und gegenüber die heißeste Party, die man erleben kann.

Am frühen Abend erblickten wir auf der Landstraße die ersten „Warnhinweise“, wir hätten in Kürze das Gelände der Bold`Or erreicht. Mit der ersten Gänsehaut nahmen wir unsere Presseausweise in Empfang. Ich kam mir vor, wie ein Kind an Weihnachten, als wir uns unsere Stelle auf dem Campingplatz suchten. Der Rest vom Team kommentierte meine Begeisterung mit einem milden Lächeln und den Worten „Wart mal ab…“.

Wir bauten also unser Hab und Gut innerhalb unserer Wagenburg auf, um uns herum ein Kuddelmuddel aus Motorengeräuschen, Fehlzündungen und undefinierbarem Geknalle. Mein „Mann, ist das laut hier“ wurde mit schallendem Gelächter quittiert, was mich etwas verunsicherte! Voller Ungeduld trieb ich meine Leute an - ich wollte zur Strecke! Meine Erwartung wurde mit dem Nachttraining erfüllt;wer da keine Gänsehaut bekommt,hat kein Herz! Am nächsten Morgen füllte sich der Platz und damit stieg auch der Lärmpegel. Langsam begriff ich, warum tags zuvor gelacht worden war. Am Freitag wurde das Areal abgecheckt: die Strecke, das Fahrerlager, die Verkaufsmeile, der Rummel, die verschiedenen Konzertbühnen. Wir waren gefühlte zehn Dosen Becker‘s Bier lang unterwegs.

74. Bol d'Or in Magny-Cours

Zurück am Platz zeigte sich mir ein anderes Bild als am Morgen: optimistisch würde ich das Erlebte als Chaos beschreiben, ohrenbetäubende Lautstärke mit einem leicht anarchistischen Beigeschmack. Keiner kümmert sich hier darum, was gerade brennt: Autos, Reifen, Motorräder, Zelte. Das Verwunderliche ist, dass es fast nie gefährlich wirkt. Trotzdem hat in dieser Nacht wohl niemand durchgeschlafen…
Samstags: Schon vor dem eigentlichen Start war die Luft zum Zerreißen gespannt. Die Wartezeit wurde durch die Rennen im Rahmenprogramm, wie dem Zweizylinder-Cup „Soundof Thunder“, Michelin PowerCup 600 und 1000, verkürzt. Außerdem durften einige private Yamaha-Fahrer 2 Runden auf der Strecke drehen. Auch die Seitenwagen-WM hatte dieses Jahr ihr Debüt in Magny-Cours; das letzte Rennen dieser Serie wurde hier ausgetragen und das Duo Adolf Hänni und Pekka Päivärinta konnten sich den WM-Titel sichern.

Um Punkt 15 Uhr eröffneten die 57 Teams das Rennen mit einen Le Mans-Start. Wohl jeder hielt den Atem an, als es unmittelbar danach zu einer Massenkarambolage auf der Start-Ziel-Geraden kam und so begann das Rennen mit einer Safety Car-Phase. Auch im weiteren Rennverlauf kam es immerwieder zu Ausfällen - Ankommen heißt hier die Devise.

74. Bol d'Or in Magny-CoursDas deutsche RMT 21 Racing Team -unterwegs mit Frederic Moreira, Viktor Kispitaki und Jed Metcher - musste bereits nach knapp zehn Stunden die Segel streichen, das Team Penz 13 Racing um Teamchef Rico Penzkofer schied mit den Piloten Frederic Chabosseau,Sebastien LeGrelle und Mark Miller nach Sturz aus. Ein Rahmenbruch war nicht zu beheben. Das BMW-Team BMP Elf 99 verabschiedete sich vier Stunden vor Schluss nach einem heftigen Sturz, bei dem das Motorrad dermaßen beschädigt wurde, dass an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war. Sebastien Gimbert, Erwan Nigon und Matthieu Lagrive hatten bis dahin an Erfolg versprechender Position gelegen und waren sogar von Platz 1 aus ins Rennen gegangen. Von unseren persönlichen Favoriten, dem Ducati Team SCUDERIAROSSO mit den Fahrern Lionel Ancelin, Stéphane Pagani, Philippe Teissier und David Chiabo auf der Ducati 1198 mussten wir uns nach 11 Stunden und 59 Minuten verabschieden. Das angenehme grollende Motorengeräusch des Zweitakters fehlte ausgesprochen. Auch die amtierenden Weltmeister des Yamaha Austria Racing Teams waren nicht vom Glück gesegnet. Nach sieben Runden verabschiedeten sich Igor Jerman,Steve Martin und Gwen Giabbanivon der Strecke.

Alles in allem war es ein fantastisches 24-Stunden-Rennen!

74. Bol d'Or in Magny-Cours

Das Suzuki Endurance Racing Team 2 stand nach 781 Runden als Sieger fest. Die FranzosenVincent Philippe, Guillaume Dietrich und Freddy Foray gewannen mit 14 Runden Vorsprung dieses großartige Rennen. Rang zwei ging mit 767 Runden an das Bolliger Team Switzerland und somit an Kawasaki. Im Sattel der ZX10R errangen Horst Saiger, Patric Muff und Roman Stamm weitere 28 Punkten in der Endurance Weltmeisterschaftswertung. Folch Endurance komplettierte auf Yamaha R1 mit Jordi Font Almeida, Pedro Luis Vallcaneras Flores und Jose Manuel Luis Rita das Podest mit 766 gefahrenen Runden. Insgesamt sahen von 57 gestarteten Teams 37 die Zielflagge.

74. Bol d'Or in Magny-CoursDen restlichen Sonntag ließen wir entspannt ausklingen und nachdem wir die Trümmer des Schlachtfeldes, in das sich die die Strecke umgebenden Campingplätze verwandelt hatten, auf uns hatten wirken lassen, sattelten wir am Montagmorgen die Pferde und machten uns auf, Richtung Heimat. Fazit für diese außergewöhnlichen Tage: Geballte Technik, Motorsport auf allerhöchstem Level und mit Abstand die monströseste Party, die ich je erlebt habe.

 

Achtung!!!
Die 75. Bol d’Or findet am 16. & 17. April 2011 statt,
tauscht also den Termin mit dem Rennen in Le Mans.

 

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